Modul 3

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Modul 3

Die Biographie / Das pädagogisch-diagnostische Gutachten

Beim Verfahren der Pädagogischen Diagnostik steht das methodische Verstehen der personalen Lebenspraxis, also einer personalen Handlungsinstanz, die die Auswahl von Optionen in eine offene Zukunft selbstreflexiv wahrnehmen kann, im Vordergrund.

Methodisches steht im kategorialen Gegensatz zu lebenspraktischem Verstehen und besteht in der Rekonstruktion von Deutungsmustern, Habitusformationen und psychischen Strukturen, von Strukturen also, welche den Modus des Handelns des Individuums in eine offene Zukunft bestimmen. Diese Gebilde legen die Wahl lebenspraktischer Optionen und somit den Krisenbewältigungsmodus einer Lebenspraxis langfristig stabil fest. Habitusformationen, Deutungsmuster und psychische Dispositionen formen sich in asymmetrischen Beziehungen bis zum Abschluss der Adoleszenzkrise aus.

In Modul 3 steht die fallrekonstruktive Analyse der Biographie eines Individuums sowie seiner Einbettung in eine Generationenfolge und deren Bedeutung für das Handeln im Zentrum.

Die Ergebnisse der Fallrekonstruktion bilden in der Perspektive der Pädagogischen Diagnostik die Basis der Gestaltung des Interventionskonzeptes für das Pädagogische Arbeitsbündnis.

Pädagogisch-diagnostische Interventionskonzepte sind sowohl konzeptions- als auch begründungslogisch im Fall der pädagogischen Praxis fundiert. Sie stehen in diametralem Gegensatz zu subsummtionslogisch verfahrenden Diagnoseverfahren – exemplarisch hierfür sind die testpsychologischen Diagnoseverfahren – insofern, als bei diesen Merkmalsdimensionen, die auf der Basis einer Theorie operationalisiert wurden, an den Fall herangetragen werden. Bei diesen Verfahren hat der Fall nur sehr eingeschränkt die Chance, in seiner Individuation sichtbar zu werden.

Eine objektiv-hermeneutische Analyse führt, aus einer interventionspraktischen Perspektive, systematisch zu einem Überschuss an Forschungsergebnissen. Dies ist beim Verfassen eines pädagogisch-diagnostischen Gutachtens zu berücksichtigen. Die „Kunst“, ein solches Gutachten zu verfassen, besteht einerseits darin:

1. die Fallstruktur des Klienten und ihre Genese für den Außenstehenden nachvollziehbar abzubilden und Forschungsergebnisse, die für die Interventionspraxis nicht notwendig sind, wegzulassen, ohne dass damit ein Prägnanzverlust der Analyse einhergeht.

2. aus den Befunden der Fallrekonstruktion eine angemessene, d.h. dem konkreten Fall mit seinen spezifischen Handlungsdefiziten und -ressourcen in einer konkreten biographischen Krise entsprechende Interventionskonzeption zu entwickeln.

Die „Kunst“, ein pädagogisch-diagnostisches Gutachten zu verfassen, besteht andererseits in seiner formal und inhaltlich angemessenen Gestaltung. Diesbezüglich stehen die folgenden Fragen im Zentrum:

  • Wie ist ein pädagogisch-diagnostisches Gutachten aufgebaut ?
  • Welche Interviewpassagen sind geeignet, die zentralen Ergebnisse nachvollziehbar zu belegen?
  • In welchem Ausmaß sollen historische, kulturelle, milieuspezifische und ökonomische Tatsachen zur Illustration der Ergebnisse dargestellt werden?
  • Welchen professionsspezifischen Standards muss ein pädagogisch-diagnostisches Gutachten darüber hinaus genügen?

Anhand der objektiv-hermeneutischen Rekonstruktion der Biographie eines Falles der Jugendhilfe werden im Seminar die Antworten zu diesen Fragen erarbeitet.