Modul 2

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Modul 2

Die Objektive Hermeneutik

Die Objektive Hermeneutik ist ein sozialwissenschaftliches Verfahren zur Rekonstruktion der objektiven Bedeutung von Texten.

Texte sind Ausdrucksgestalten des Handelns von Lebenspraxen. Unter einer Lebenspraxis werden sämtliche Handlungsinstanzen, die über Entscheidungskompetenz verfügen, verstanden. Das Handeln der Lebenspraxis ist nicht „in actu“, d.h. nicht als Praxis im „Hier und Jetzt“, sondern nur in seiner Vergegenständlichung in einem Protokoll dem Analytiker verfügbar.

Die Objektive Hermeneutik macht es möglich, einen Handlungstext im Hinblick auf seine objektive Bedeutungsstruktur und damit auf die Handlungsoptionen der protokollierten Lebenspraxis, ihre Deutungsmuster und Habitusformationen hin zu rekonstruieren. Das Verfahren der Objektiven Hermeneutik erlaubt zudem, die Struktur des Handelns einer Lebenspraxis, im Hinblick auf ihre Einbettung in eine Herkunftsfamilie, ein Milieu, eine soziale Schicht, eine Region, eine Kultur und in eine konkrete Geschichte zu rekonstruieren.

Die objektiv-hermeneutische Rekonstruktion von Handlungsprotokollen und lebenspraktischen Daten stellt Aussagen über eine Lebenspraxis mit Anspruch auf objektive Geltung zur Verfügung. Diese stellen die Grundlage der Pädagogischen Diagnostik insofern dar, als

1. auf ihrer Basis Interventionsstrategien Fall angemessen konzipiert und begründet werden können und

2. auf ihrer Basis die Interventionsstrategie mit dem Klienten im pädagogischen Arbeitsbündnis diskutiert und vereinbart werden kann.

Im Rahmen eines pädagogisch-diagnostischen Arbeitsbündnisses steht der Klient insofern im Zentrum, als dass seine technokratische Subsummtion unter pädagogische Theorien – und damit seine Fremdbestimmung – unterbleibt.

In Modul 2 wird nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Hermeneutik, die Konstitutionstheorie und Methodik der Objektiven Hermeneutik dargestellt. Dabei wird Bezug auf Fallrekonstruktionen und wissenschaftliche Theorien genommen. Im Zentrum des Seminars steht die extensive Rekonstruktion eines Handlungsprotokolls aus der Jugendhilfe.