Das Institut für pädagogische Diagnostik
Ausgehend von der Überlegung, dass professionelle Hilfe in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit immer mit dem Problem konfrontiert ist, fremden Sinn verstehend zu erschließen, um auf diese Weise Interventionsstrategien entwickeln zu können, die der Individualität des jeweiligen Einzelfalles Rechnung trägt, kann die Gründung des Instituts für pädagogische Diagnostik als der Versuch betrachtet werden, diese Verstehensprozesse auf eine methodische Grundlage zu stellen und in der Sozialen Arbeit zu verankern. Obwohl, wie viele PraktikerInnen der Sozialen Arbeit einräumen, Entscheidungsprozesse z.B. in der Erziehungshilfe sich auf eher intuitive Einsichten in die Problematik der Klientel stützen müssen, konnten wir zu Beginn unserer Tätigkeit kaum Ansätze ausmachen, diesen Mangel zu beheben. Zu den gravierendsten Folgen dieser Tatsache gehört nicht nur die anwachsende Unzufriedenheit über die Unzulänglichkeit mancher Entscheidung bei den MitarbeiterInnen sozialer Dienste, sondern vor allem die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Jugendlichen. Das vielfach anzutreffende Unvermögen, die faktische Problemgestalt zu erkennen, hat in nicht wenigen Fällen zu den berüchtigten ‚Odysseen‘ durch verschiedenste Einrichtungen geführt. Dass der angestrebten Autonomie des/der Jugendlichen damit kein Gefallen getan wurde, versteht sich von selbst.
Die biographische Ansatz, wie er sich in letzter Zeit auch in der Sozialpädagogik immer stärker durchzusetzen beginnt, kann hier einen Ausweg bieten. Mithilfe eines auf die Erfordernisse der Sozialen Arbeit zugeschnittenen Methodenarrangements, das sich in der Hauptsache auf das »Narrative Interview« nach Fritz Schütze und die »Objektive Hermeneutik« nach Ulrich Oevermann gründet, kann es in einem viel präziseren Sinne gelingen, einen Zugang zu den Lebenswelten von Jugendlichen zu finden und deren Problematik gleichsam von innen zu erschließen, als dies im Rahmen konventioneller Verfahren möglich ist. Die Erfahrung, die wir in Zusammenarbeit mit verschiedenen Jugendämtern sammeln konnten, lässt den Schluss zu, dass bei Einsatz dieser Methode ein erheblicher Effizienzzuwachs zu verzeichnen ist, der sowohl den professionellen HelferInnen als auch und vor allem den Kindern und Jugendlichen unmittelbar zugute kommt. Ein weiterer Vorteil ist darüber hinaus in der leichten Erlernbarkeit der Analysetechniken zu sehen, die ihre Schlussfolgerungen jeweils am konkreten Einzelfall erarbeiten, so dass sie jederzeit nachvollzogen und überprüft werden können.
